| Erinnerungsträchtig, nachdenklich, humorvoll |
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Literaturmatinee zum Thema „Kindheit und Jugend“ in der Region![]() Der Jugendclub FSK 14 eröffnete die Literaturmatinee. Fotos: Klaus Herzmann KOBLENZ. Schüler sind dumm, faul, frech und respektlos. Die Vorwürfe gleichen sich seit Jahrtausenden, schon Sokrates äußerte sich wenig schmeichelhaft über die Jugend. Nach dem Motto „Angriff ist die beste Verteidigung!“ eröffnete mit der von Theaterpädagogin Anna Zimmer betreute Jugendclub FSK 14 des Theaters erfrischend unbekümmert die um „Kindheit und Jugend“ kreisende Literaturmatinee der Freundeskreise der Universität und des Theaters Koblenz. Ansonsten ging es in der ersten Hälfte der Veranstaltung im Stadttheater in den von Dr. Helga Arend (Universität Koblenz) und dem Dramaturgen des Theaters, Peter Junkuhn, ausgewählten Texten eher gemütvoll zu. Beinahe in allen spielten die ersten Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht eine wichtige oder gar zentrale Rolle. In den Auszügen beispielsweise aus Gerhard Henschels „Kindheitsroman“, der zu einem erheblichen Teil in Vallendar und Koblenz spielt, wo der 1962 in Hannover geborene Autor aufwuchs. Das sind humorvoll formulierte und ebenso von Maximilian Laprell vorgetragene Erinnerungen an die Einschulung, an die erste, noch rein platonische Liebe zur hübschen Piroschka. Um Liebe geht es auch in den von Tatjana Hölbing gelesenen Briefen, die der 1778 in Ehrenbreitstein geborene Clemens Brentano an seine Schwester Bettine schreibt, voll Überschwang der eine, eher nüchtern und realistisch in ihrer Reaktion die andere. ![]() Dagmar Leupold stellt ihren Roman "Nach den Kriegen" vor. Fotos: Klaus Herzmann Aus Joseph Breitbachs Roman „Die Wandlung der Susanne Dasseldorf“ trug Schauspieler Günther Dittrich die Episode vor, in der sich Peter in der „freudenreichen“ Wasserturmstraße in Koblenz zum Mann emanzipiert, ähnlich wie Mario Adorf bei seiner ersten, zunächst eher verschämt auf dem Küchensofa seiner Tante Käthe in Mayen beginnenden Liebe. Markus Scherer las die entsprechende Episode aus Adorfs „Unordentlichen Erinnerungen“. Der zweite Teil der Literaturmatinee gehörte der 1955 in Niederlahnstein geborenen, in München lebenden Autorin Dagmar Leupold, die mit ausgewählten Auszügen ihren 2004 erschienenen Roman „Nach den Kriegen“ vorstellte. Bereits diese Auszüge verdeutlichten, dass sich die Leupold in ihrem Roman vor allem mit der Figur des übermächtigen Vaters auseinandersetzt, mit direkten und doch ironisch reflektierten Kindheitserinnerungen im ersten, bei der Lesung berücksichtigten Teil. Die Erinnerungen an vollgehäufte väterliche Teller, an endlose väterliche Tiraden gegen Gott und die Welt, an den Kanarienvogel auf dem Wohnzimmerschrank und die ungeliebten Klavierstunden dürften manchem nicht ganz unbekannt vorgekommen sein. Dem Thema „Kindheit und Jugend“ angepasst war der von Karsten Huschke konzipierte musikalische Rahmen, die Vertonung von Clemens Brentanos „Als mir dein Lied erklang“ von Richard Strauss, interpretiert durch die rumänische Sopranistin Theodora Varga und Felix Christian Weisses „Der Kuss“, vertont von Ludwig van Beethoven und gesungen von Bariton Hong-Kyu Kim. Witzig und passend nach dem eher gemütvollen, von Markus Scherer vorgetragenen „Wiegenlied“ des Koblenzer Mundartdichters Fritz Zimmer: Paul Dessaus „Kleinste Nachttopfmusik“ für Flöte (Eleonore Ciupka), Klavier (Karsten Huschke) und, natürlich, zwei Nachttöpfchen „in Cis und Pis“, betätigt von Akiko Shimizu. Was einst Johanna Stephanie, die dreimonatige Enkelin Bertold Brechts, der Dessau das Werk widmete, erfreute, bereitete auch dem Publikum im Theater sichtlichst Vergnügen. Die Freundeskreise der Universität und des Theaters Koblenz danken den Sponsoren, der Volksbank Koblenz Mittelrhein eG, sowie der SIGNAL IDUNA Versicherungsgruppe.
Weitere Informationen Stand: 03.03.2008 |