Literaturmatinee über "Kindheit und Jugend" in der Region
am 2. März im Theater der Stadt Koblenz
KOBLENZ. "Welch schmerzlicher Zauber liegt auf diesem Morgen. Mein jüngstes Schwesterchen empfing heute zum ersten Mal die Hl. Kommunion. Wie klar trat mir meine jüngste Jugend vor Augen, jene Zeit, als ich der Lieblingsschüler meines Kaplans war und selber Geistlicher werden wollte. Es war am 30.3.1913, also vor 12 Jahren. Und denke Dir ... noch dieselben Ceremonien, derselbe Dechant, dasselbe Meßgewand. Nur die Meßdiener sehe ich jetzt mit anderen Augen als damals an."
Das schreibt, am Weißen Sonntag des Jahres 1925, der Schriftsteller Joseph Breitbach, Stifter des gleichnamigen Literaturpreises, an den befreundeten Maler Alexander Mohr, eine der Kindheitserinnerungen, um die sich in diesem Jahr die von den Freundeskreisen der Universität und des Theaters veranstaltete Literaturmatinee am Sonntag, 2. März, 11 Uhr im Stadttheater dreht.
Wie in dem Brief Breitbachs geht es in allen Texten, die Dr. Helga Arend (Universität in Koblenz) und Peter Junkuhn, der Dramaturg des Theaters, auswählten, um "Kindheit und Jugend". Genauer: um Kindheit und Jugend in der Region. Alle Autoren dieser Literaturmatinee, der zwölften bisher, wurden entweder in dieser Region geboren oder verbrachten zumindest einen Teil ihrer Kindheit und Jugend hier. Neben Breitbach, Jahrgang 1903, aus dessen Roman "Die Wandlung der Susanne Dasselbach" Ausschnitte vorgestellt werden, gehören zur Ehrenbreitsteiner "Fraktion" Clemens Brentano, der 1778 hier zur Welt kam, und seine Schwester Bettina, vertreten mit Briefen, außerdem Fritz von Unruh, der 1885 im Dahl das Licht der Welt erblickte. Günther Dittrich, der mit seinen Kollegen vom Theater, mit Maximilian Laprell und Tatjana Hölbing die Texte vorträgt, liest aus von Unruhs "An die europäische Jugend" von 1932, dem Jahr, in dem der Autor in seiner Komödie "Zero" bereits vor dem kommenden Krieg warnte.
Ebenfalls auf dem Programm stehen Auszüge aus Gerhard Henschels 2004 erschienenem "Kindheitsroman", ein halbbiografisches Werk, in dem der 1962 in Hannover geborene Autor, ehemals Redakteur beim Satiremagazin "Titanic", Kindheits- und Jugenderlebnisse in Vallendar und Koblenz verarbeitet. Markus Scherer, der auch die Rolle des Moderators übernimmt, liest aus den "Unordentlichen Erinnerungen" des Schauspielers Mario Adorf, der ab 1933 einen Teil seiner Kindheit im "Spitälchen" genannten Waisenhaus von Mayen verbrachte. Die Runde der Autoren komplettieren der 1866 in Koblenz geborene, in Mundart schreibende Fritz Zimmer und die aus Niederlahnstein stammende, in München lebende Dagmar Leupold, die ihren Roman "Nach den Kriegen" vorstellt.
Und damit Kindheit und Jugend nicht nur literarisch und lesend thematisiert werden, steuert der Jugendclub FSK 14 des Theaters Beispiele für 3500 Jahre Schülerbeschimpfungen bei. Für die musikalische Ergänzung zeichnet Karsten Huschke verantwortlich, zusammen mit der Sopranistin Theodora Varga und dem Bariton Hong-Kyu Kim. Ein besonders witziges und passendes Bonbon verspricht Paul Dessaus "Kleinste Nachttopfmusik" für Flöte (= Eleonore Ciupka), Klavier und zwei gläserne, als Schlagzeug benutzte Nachttöpfchen (Akiko Shimizu) zu werden, frei nach Mozart komponiert und der drei Monate alten Enkelin Bertold Brechts Johanna Stephanie gewidmet. Karten ab 5,50 Euro sind an der Theaterkasse in der Clemensstraße 5 oder unter Telefon 0261/ 129-2840 und -2841 sowie per E-Mail
Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können
erhältlich.
Weitere Informationen:
Freundeskreis der Universität in Koblenz,
c/o Handwerkskammer Koblenz, 56063 Koblenz
Tel.: 0261/ 398-222, Fax: -994, E-Mail:
Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können
Stand: 18.02.2008
|